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175. Gründungsjubiläum (Teil 1)

Der älteste Verein im Flosser Amt feiert 2009 sein 175. Gründungsjubiläum

Die reiche und bewegte über 1060-jährige Ortsgeschichte des Marktes wird neben den vielen Ereignissen und Geschehnissen im kommunalen, konfessionellen, gewerblichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich auch durch das sportliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger, die in den Vereinen fest integriert sind, geprägt.

Dass es vor allem die Sportschützen sind, deren Entstehen ihrer Gesellschaft bis in das Jahr 1834 zurück reicht, macht Mitglieder, Schützenmeisteramt, Schützenkommissar und aktive Schützen besonders stolz.
Doch auch der Markt kann sich glücklich schätzen, sportbegeisterte Jugendliche, Bürgerinnen und Bürger in seinen Mauern zu wissen.

Rechtzeitig haben sich die Verantwortlichen der Schützengesellschaft an einem Tisch gesetzt und die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten im Jahre 2009 in Gang gesetzt. Heute schon steht fest, dass sich die Jubiläumsfeier nicht auf Tage, Wochen oder Monate erstrecken wird. Die Schützen bleiben im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden und haben sich bereits entschieden, an einem Tag, nämlich am 20. Juni 2009 ihr 175-jähriges Gründungsjubiläum zu feiern.

Dass bei solchen Anlässen ein Blick auf die Vereinsgeschichte geworfen wird, ist nicht nur selbstverständlich, vielmehr Verpflichtung gegenüber denen, die sich von Anfang an der Verantwortung gestellt, die Gesellschaft ins Leben gerufen und aufgebaut haben, auch aber gegenüber denen, die über viele Jahrzehnte das übernommene Erbe fortsetzten und gegenüber denen, die heute noch im Schützenmeisteramt den Schießsport zu fördern wissen.

Als früherer, langjähriger Schriftführer der Gesellschaft und auch in meiner Eigenschaft als 1. Bürgermeister des Marktes Floß, habe ich mich den Aufgaben und Zielen der Königlich privilegierten Schützengesellschaft 1834 stets gerne gestellt. Besondere Freude habe ich, dass die lange Zeit „ obdachlose „ Schützengesellschaft während meiner Amtszeit im Sportbetriebsgebäude des Marktes ein festes „ Zuhause „ finden konnte. Das von der Gesellschaft modern eingerichtete Schützenheim erfüllt alle Voraussetzungen für die Ausübung des Schießsports.
Es ist mir geradezu ein Bedürfnis, meine vereinsgeschichtlichen Aufzeichnungen aus Anlass des 175-jährigen Gründungsjubiläums der Schützengesellschaft wieder ins Gedächtnis zu rufen, einen Blick zurück zu werfen, aber auch die Gegenwart wieder zu geben und eine Vorausschau zu wagen.
Das „ Flosser Marktblatt „ bietet dazu die Möglichkeit. Dafür sind die Flosser Schützen ebenso wie ich als Schreiber dieses geschichtlichen Rückblicks und amtierender Schützenkommissar sehr dankbar...

Im Ministerialamtsblatt der Bayerischen inneren Verwaltung Nr. 36 / 1968 sind die privilegierten Schützengesellschaften in Bayern bekannt gegeben. Auf Seite 159 ist unter Ziffer III Regierungsbezirk Oberpfalz die „ Kgl. Priv. Schützengesellschaft 1834 Floß „ eingetragen. Damit wird die Rechtsfähigkeit der Gesellschaft durch Anerkennung der Allgemeinen Schützenordnung bestätigt.
Festzuhalten bleibt: Die Königlich privilegierte Schützengesellschaft 1834 Floß ist der älteste Verein im Flosser Amt.

Leider sind die Niederschrifts- und Protokollbücher der Gesellschaft vor 1926 verloren gegangen. Erfreulich aber, dass das Staatsarchiv Amberg sich auf hinterlegte Akte stützen und nähere Auskunft über das Entstehen der Gesellschaft geben konnte.
Nach meiner Anfrage erteilte am 1. September 1961 das Amberger Staatsarchiv der Schützengesellschaft in eine Fachauskunft. Sie ist heute von großem Wert.
So hält das Staatsarchiv Amberg fest, dass zu Beginn des Jahres 1835 zwei Schützengesellschaften in Floß nachgewiesen werden. Eine davon hatte in der Versammlung vom 27. Dezember 1834 ihre Satzung angenommen. Zu Schützenmeistern wurden Ernst Lang, Johann Glaß und Leonhard Schneider gewählt.
Die zweite Schützengesellschaft ist mit dem Gründungsdatum 6. Januar 1835 angegeben. Sie wählte den königlichen Revierförster Wex aus Flossenbürg zum Vorstand, den Gutsbesitzer Christian von Sperl aus Altenhammer als dessen Stellvertreter, Kaminkehrer Pickl und Lehrer Hack als weitere Vorstandsmitglieder. Die von Revierförster Wex geleitete Gesellschaft nannte sich „ Scheibenschützengesellschaft im Markt Floß „. In ihrem Gründungsprotokoll wird ausdrücklich festgehalten, dass sich die Gesellschaft „ streng an die baierische Schützenordnung halten wolle „.
Beide Schützengesellschaften vereinigten sich am 10. Mai 1835. Im Bericht an das Königliche Landgericht vom gleichen Tage heißt es, dass sie „ eine Gesellschaft unter Leitung zweier Vorstände, je aus einer Abteilung „ bilden. Weiter heißt es, dass sich die Gesellschaft an die baierische Schützenordnung hält, jedoch will eine Abteilung als noch ungeübt in der Handhabung mit Büchsen vorerst im Flintenschießen sich exerzieren.

Im Jahre 1859 wurde eine weitere Schützengesellschaft, die ihre Statuten am 20. Juni 1859 zur Genehmigung vorlegte und sich „ Büchsengesellschaft in Floß „ nannte, gegründet. Erster Vorstand war Nathan Wiener, erster Schützenmeister Lehrer Hack, zweiter Schützenmeister Friedrich von Sperl. Zwischen der bestehenden Schützengesellschaft und der neuen Büchsenschützengesellschaft wurde am 3. Juli 1859 wegen der Festlegung der Termine zu den jeweiligen Hauptschießen ein Übereinkommen in der Weise geschlossen, dass zwischen beiden Gesellschaften stets die größte Eintracht bestehe. Vom Landgericht Weiden wurde am 9. Juli 1859 die Gründung dieser Büchsenschützengesellschaft genehmigt.

Das Staatsarchiv Amberg hält in seiner Fachauskunft unter anderem auch fest, dass sich nach den zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht feststellen lässt, in wieweit die heutige Schützengesellschaft auf die Vereinigten Gesellschaften von 1834/1835 oder gar auf die 1859 gegründete Büchsenschützengesellschaft zurückgeht.

Wenn die Flosser Schützen im Jahre 2009 ihr 175-jährigen Gründungsjubiläum feiern, dann deshalb schon zu Recht, weil sie sich auf die Veröffentlichung und Bekanntgabe des Bayerische Staatsministerium des Innern vom Jahre 1968 stützen kann.

Aus Überlieferungen und früheren Chroniken, darunter auch die von Oberlehrer a.D. Leonhard Bär, ist bekannt, dass die Flosser Schützen der „ Bürgerwehr „ angehörten und bei der alljährlichen Fronleichnamsprozession die Ehrengarde zur Begleitung des Baldachins und des Allerheiligsten stellten.
An Pfingsten jeden Jahres wurde ein großen Preisschießen mit Feuerstutzen ( 130 Meter ) auf der früheren Schießstätte an der Schönbrunner Straße ( heute stehen dort sechs Mehrfamilienwohnhäuser der Baugenossenschaft „ Eigenheim „ eG Floß ) durchgeführt.
Der Schützenkönig wurde durch das beste „ Blattl „ ermittelt und kräftig gefeiert. Übrigens wurde dieses zur Tradition gewordene Pfingstschießen bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 zu einer Art „ Volksfest „ im früheren Ortsteil Wieden – der heutigen Eigenheimsiedlung. Unter dem früheren Schützenmeister Georg Riebel lebte das Pfingstsschießen wieder auf und findet alljährlich unter Mitwirkung der Flosser Vereine statt.
Auch nach dem Ersten Weltkrieg 1918 blieb man der Schützentradition treu. Ein-und Ausmärsche erfolgten stets mit schmissiger Blasmusik durch die Flosser Blaskapelle unter Leitung von Musikmeister Erhard Fichtl. Und auch das hat sich weiter geführt: Der in jedem Schützenjahr ermittelte neue Schützenkönig durfte als Zeichen seiner neuen Würde beim Einmarsch des Pfingstschießens für ein Jahre die Vereinsfahne tragen.

Das bereits angesprochene Fehlen der Niederschrifts- und Protokollbücher vor 1926 erschwert eine vollständige vereinsgeschichtliche Aufzeichnung. Auch der frühere Ehrenschützenmeister Georg Riebel hatte trotz seiner intensiven Recherchen über das Vereinsgeschehen vor und nach dem Ersten Weltkrieg keinen Erfolg.
Wie interessant aber Vereinsgeschichte, besonders die der Flosser Schützengesellschaft sein kann, zeigen die wenigen Eintragungen aus dem vorhandenen Protokollbuch am dem 20. Mai 1926.

Darüber werden wir in unserer nächsten Ausgabe des „ Flosser Marktblatts „ berichten.

Fred Lehner
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